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Endstation Hoffnung

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In ihrem Buch „Endstation Hoffnung“ beschreibt Beate Rost in zwölf unterhaltsamen Kurzgeschichten, wie viele unterschiedliche Facetten sich hinter dem Wort Tierschutz verbergen können, und wie vielfältig die Möglichkeiten für jeden Einzelnen sind, zu helfen.
Die Autorin lädt den Leser ein, am Alltag einer Tierheimleiterin teilzuhaben, die sich für das Leben eines abgeschobenen, dreizehnjährigen Pudels einsetzt, die einen kleinen Mischling aus den Händen zweier Alkoholiker zu befreien versucht, und die einen Schäfer davon abhalten will, einen jungen Hund zu erschießen. Sie erzählt von Hasso, einem stolzen Wachhund, der treu seinem gleichgültigen Herrn dient und von Lenni, der einsam in einem polnischen Tierheim wartet. Sie schildert das tragische Schicksal einer kleinen blinden Kettenhündin, die auf einem abgelegenen Grundstück ihr Dasein fristet. Und sie lässt eine ausgesetzte Hündin, die wochenlang einsam und hilflos durch die Straßen Berlins lief, selbst erzählen von ihren Empfindungen, ihren Ängsten, ihren Erlebnissen. Nicht zuletzt stellt sie dem Leser einen Berliner Tierarzt vor, dessen Leben von zwei sechs Wochen alten Welpen, die auf einer Bauschuttdeponie entsorgt wurden, in bedeutender Weise beeinflusst wurde.
Lassen Sie sich entführen in die Welt von Melodie, Aika, Sandy und all den anderen, lassen Sie sich berühren von ihren Schicksalen, ihrem Leid und ihrer Hilfsbedürftigkeit, genauso wie von ihrer Rettung aus Elend und Not, die eben manchmal - denn auch das heißt Tierschutz in seiner schönsten Form - auch den Beginn eines neuen, unbeschwerten Lebens in Liebe, Sicherheit und Geborgenheit bedeutet.

Format 14 x 20 cm, Paperback, 204 Seiten, 9,50 €

Zu bestellen unter: http://www.bod.de

Leseprobe "Endstation Hoffnung"

"Lohn der Angst"

Der Winter im Norden Polens konnte unbarmherzig und grausam sein. Lenni spürte, wie die eisige Kälte durch seinen müden Körper kroch.
Er saß am Zaun und beobachtete die Menschen, die an ihm vorbeigingen. Die meisten Gesichter kannte er. Sie gingen jeden Tag zweimal an diesem Zaun entlang. Einmal morgens, wenn sie zur Arbeit gingen und einmal abends, wenn sie heimkehrten. Die Menschen beachteten Lenni nicht. Noch nie hatte einer von ihnen ein Wort für ihn übrig gehabt. Oder ihn nur eines kurzen Blickes gewürdigt. Daran hatte sich Lenni schon gewöhnt. Trotzdem saß er regelmäßig am Zaun des Tierheimes und wartete.

Worauf er wartete, wusste er nicht.

Er hatte es sich so von den anderen Hunden abgeguckt. Sie saßen auch am Zaun und warteten. Für sie gab es von den Vorbeigehenden schon mal ein paar Streicheleinheiten und hin und wieder auch mitgebrachte Brotstückchen.
Sie wussten worauf sie warteten. Für sie lohnte es sich, am Zaun zu sitzen.

Lenni verstand nicht, warum ihn niemand mochte. Er wusste nicht, dass sein braun-graues Fell unscheinbar war und die Menschen die anderen Hunde bevorzugten, weil sie schöner waren als er. Oder weil sie kleiner und niedlicher waren.
Lenni war ein ängstlicher Riese. Seine Knochen drückten sich sichtbar durch sein dünnes Fell. Er wagte sich nur selten an die Futtertöpfe heran. Er hatte Angst vor den anderen Hunden. Er fürchtete sich vor den täglichen Kämpfen um die wenige Nahrung, die man ihnen gab und die nie für alle reichte. Er hatte bereits überall an seinem Körper Bisswunden. Seine Ohren waren zerrissen und eitrig.

Er wehrte sich nie.
Er ertrug das Ausgeschlossensein, die Einsamkeit, den Hunger und die Kälte.

Lenni lebte mit dreihundert anderen Hunden zusammen in einem großen Freigehege. Es gab
nur wenige Hundehütten. Sie gehörten den starken Hunden, den ranghohen. Lenni schlief in einem Erdloch, das mit Stroh ausgelegt war. Aufwärmen konnte er sich nie.

Er war noch jung, vielleicht zwei Jahre, aber er fühlte sich alt.

Lenni sah jeden Tag, dass im Tierheim andere Hunde starben. An der Kälte, an der Nässe, an Unterernährung und an Parasiten. Die Menschen, die im Tierheim arbeiteten, konnten es nicht verhindern. Sie hätten es gern getan. Oft waren sie traurig, weil sie den Hunden nicht helfen konnten.

Lenni sah mit an, wie sich die Hunde gegenseitig tödlich verletzten. Im Kampf ums Futter, ums Überleben.

Er war schon immer ein trauriger Hund. Er wurde noch nie geliebt. Obwohl er schon mal einen Besitzer hatte. Für ihn hatte Lenni aber nur einen Nutzwert. Er legte ihn auf einem abgelegenen Feld an die Kette. Lenni sollte die Obstbäume bewachen. Als sie nichts mehr einbrachten und kein Obst mehr trugen, hatte Lenni für seinen Besitzer überhaupt keinen Wert mehr, nicht einmal einen Nutzwert. Er kümmerte sich nicht mehr um ihn. Er hatte ihn fast verhungern lassen. Nur durch Zufall kam ein Fremder vorbei, der auf der Durchreise war. Als er Lenni fand, lag er angebunden unter den verkümmerten Obstbäumen. Sein Körper war fast ausgetrocknet. Er hatte keine Kraft mehr aufzustehen. Der Reisende hatte ihm die Kette abgenommen und ihn ins Tierheim gebracht. (…)

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