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Leben will gelernt sein -  oder: Die lange Reise der Suris Anica

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Suri Anica konnte sich nicht daran erinnern, wann alles anders geworden war. Ihre Geschichte begann zunächst genauso wie die unzähliger anderer Welpen in Spanien auch. Sie begann an einem heißen Sommertag, irgendwo in Madrid. Damals hieß sie natürlich noch nicht Suri Anica. Genau genommen hieß sie nicht einmal Suri. Sie hatte gar keinen Namen. Sie war ein kleines schwarzes Fellknäuel, das mit geschlossenen Augen vertrauensvoll auf das Leben hoffte, ohne zu ahnen, was das Schicksal für sie vorgesehen hatte.


„Leben will gelernt sein“ ist eine bewegende Erzählung, eine Geschichte, die auf tatsächlichen Ereignissen beruht und den Leser fest in ihren Bann zieht. Wer sich auf sie einlässt, braucht ein wenig Mut, denn Suris Schicksal wird ihn im Innersten berühren - doch danach wird er vielleicht vieles ganz anders sehen als zuvor.

 

Format 12,5 x 19 cm, Paperback, 150 Seiten, 9,80 € + Versand

 

Zu bestellen über:  www.make-a-book.de

Leseprobe: "Leben will gelernt sein"

(...) Miguel starrte Dr. Sanchez sichtlich verwirrt an. „Was genau soll das heißen?“, fragte er schließlich nach. „Was wollen Sie damit sagen, die beiden werden auch keine Chance haben?“
Dr. Sanchez sah zu den beiden Welpen, die das stundenlange Martyrium in der aufgeheizten Holzkiste überlebt hatten und mittlerweile friedlich in einem für sie viel zu großen Hundekorb eingeschlafen waren. „Sie sind zu jung“, antwortete der Tierarzt, der die Tragik dieser Geschichte mit erschreckender Gelassenheit betrachtete. „Es tut mir leid, ähnliche Fälle haben wir hier jeden Tag. Die Leute setzen uns andauernd ihre Welpen vor die Tür. In den meisten Fällen sind sie noch jünger als dieser Wurf.“
Miguel zog die Stirn in Falten und schüttelte verständnislos den Kopf. „Ich verstehe Sie nicht. Ich weiß immer noch nicht, was sie mir damit sagen wollen. Sie sind doch Tierarzt. Sie müssen doch wissen, wie man diese Welpen retten kann.“ Er war bereits sehr laut geworden. Da Lucía seine Wutanfälle sehr gut kannte, stand sie auf und fasste ihren Mann am Arm. „Miguel, Dr. Sanchez will damit sagen, dass die beiden Welpen einfach zu jung sind, um allein zu überleben - ohne ihre Mutter werden sie es nicht schaffen!“
Wortlos starrte er sie an. Sie stand regungslos vor ihm und schien überhaupt keinen Anteil an dieser ganzen Ungerechtigkeit zu nehmen. Wütend und hilflos wendete er sich von seiner Frau ab und baute sich vor dem Schreibtisch auf, hinter dem Dr. Sanchez ruhig und gelassen saß. „Ähnliche Fälle haben Sie also jeden Tag, ja?“ Miguel schluckte schwer. „Das heißt, es ist für Sie nichts Besonderes, dass in dieser Holzkiste gerade sechs kleine Leben verdurstet sind? Verstehe ich das richtig? Und es ist für Sie auch nichts Außergewöhnliches, diese beiden Welpen, die eisern um ihr Leben gekämpft haben, auch noch zu töten?“
Dr. Sanchez nickte. „So ist es leider“, antwortete er, ohne aufzusehen.
Miguel legte den Kopf in den Nacken und beobachtete für einen Augenblick die rotierenden Blätter des alten Deckenventilators. Ohne den Blick zu senken, fragte er schließlich mit unerwartet ruhiger Stimme: „Wie alt sind die beiden Welpen?“
Dr. Sanchez hob nachdenklich die Augenbrauen. „Schwer zu sagen, ich denke sie sind maximal drei Wochen alt.“ Er stand auf, ging um seinen Schreibtisch herum und reichte Miguel die Hand. „Sie haben alles getan. Sie müssen sich keinen Vorwurf machen!“
Miguel spürte, wie in diesem Augenblick unsagbarer Zorn in ihm aufstieg. Was sollte das jetzt? Was hatte er denn schon getan? Und warum reichte Dr. Sanchez ihm nun die Hand? Um ihm klarzumachen, dass er jetzt gern Feierabend machen möchte und er nun bitte gehen soll? Miguel atmete tief durch. Wieder und wieder. Aber es half nichts. Er konnte sich nicht beruhigen. Unbeherrscht schrie er Dr. Sanchez an: „Reden Sie nicht so einen Müll. Ich muss mir sehr wohl einen Vorwurf machen. Und Sie auch. Und diese ganze verfluchte laute Welt da draußen ebenfalls!“ Er zeigte aufgebracht aus dem geöffneten Fenster.
Dr. Sanchez schwieg. Er konnte die Aufregung durchaus verstehen. Aber für ihn waren Tage wie diese die Regel. Und er sah keinen Sinn darin, all das Leben zu retten, das in diesem Land ohnehin nie eine Chance auf ein würdiges Dasein haben würde.
Miguel stand da und starrte ihn an. Dann fiel er plötzlich in sich zusammen. Leise, kaum noch vernehmbar sagte er: „Diese beiden da werden nicht sterben! Dafür werden wir sorgen.“ (...)

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